Handlungsorientierter Umgang mit Textaufgaben Mathematik
Ausgezeichnet mit dem
3. Preis beim Wettbewerb "Unterricht innovativ 2004"

Projekt: Handlungsorientierter Umgang mit Textaufgaben Mathematik
Preisträger: Lehrerteam um Karl-Heinz Hasemann an der Realschule Bodenwerder

Wie viel verdiente Euklid?

„Wir wissen nicht erst seit der Pisa-Studie, dass Schüler große Schwierigkeiten mit mathematischen Sachverhalten haben, die in Textform vorliegen“, berichtet Karl-Heinz Hasemann, Rektor und Lehrer für Mathematik und Physik an der Realschule im niedersächsischen Bodenwerder. Nur die richtige Lösung für das Problem hatte bislang noch niemand parat. Jetzt gibt es den Lösungsweg dafür – und er ist im Grunde ganz einfach: „Wir müssen den Schülern das Handwerkszeug mitgeben, mit dem sie lernen, Geschriebenes zu bearbeiten und zu verstehen“, sagt Hasemann und plädiert für ein „Lernen mit allen Sinnen“.

Indem sie sprachliche Zusammenhänge in einzelne Elemente aufbrechen, wollen Hasemann und seine Kollegin Kornelia Kott (Deutsch, Geschichte, Politik) ein besseres Verständnis von Textaufgaben erreichen: Statt mit trockenen Texten arbeiten die Schüler jetzt mit Arbeitsblättern und Lernkarten, legen Dominos und Memories, lösen Kreuzworträtsel und stellen sich Fragen wie „Welche Planeten kannten schon die Araber“ oder „Wie viel verdiente Euklid?“ (Eine mögliche Antwort: „Einen Krug voller Oliven und eine Amphore Wein.“).

Lehrerteam: Karl-Heinz Hasemann, Kornelia Kott Die Arbeitsmaterialien teilen die Lehrer auf insgesamt 18 Lernzirkel auf, die sie Stationen nennen. Während ihrer Erkundungstour kommen die Schüler zur Erklärung „Mathematischer Begriffe“ (Station 1), lösen Zahlenrätsel (Stationen 7 bis 10), finden die Wurzeln der Mathematik beim „Weg durch die Geschichte Spaniens“ (Station 17). Wichtigstes Handgepäck der Schüler ist der so genannte Stationenpass. Der führt sie vier Wochen lang zu den auf Fensterbänken und Tischen aufgebauten Lernhilfen. Und in ihrem Pass vermerken die Schüler auch stolz, wenn sie sich das Wissen einer Station erarbeitet haben.

„Die Schwierigkeitsgrade hatten wir so gewählt, dass jeder Schüler ein Erfolgserlebnis haben konnte“, verrät Hasemann im Nachhinein. Es gab keine Angst vor Fehlern. Bei Problemen können die Schüler ihre Klassenkameraden fragen, im Mathematikbuch nachschlagen oder sich sogar von der Lösungsstation das Ergebnis plus Lösungsweg abholen. „Die Schüler arbeiteten selbständig“, berichtet Hasemann, „der Lehrer wurde mehr zum Moderator des Unterrichtsgeschehens und konnte umso mehr individuelle Hilfen geben.“

Parallel zu den Mathematikübungen lesen die Schüler im Deutschunterricht den Roman „Der Herr der Null“ und erfahren dabei, wie auch Textaufgaben spannend und phantasieanregend formuliert sein können. Das Buch berichtet über das so genannte Perlenrätsel – eine Rechenaufgabe, bei der vor mehr als tausend Jahren Schüler aus der Schule des Kalifen herausfinden sollten, wie viele Perlen an einer Kette waren. Die Textaufgabe beginnt mit dem Satz: „Eine Kette zerriss, während zwei Verliebte spielten ... „

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